Rede von Ellen Diederich auf dem Ostermarsch im Gelsenkirchener Stadtgarten am 23.3.2008 vor dem Mahnmal für die Opfer des Faschismus:

 

Wessen Freiheit wird am Hindukush verteidigt?

 

Von März bis Mai 2008 gibt es einige Jahrestage.

1. Jahrestag: 50 Jahre Ostermärsche

Vor 50 Jahren begannen die Ostermärsche in England.

1961 ging der erste Ostermarsch durchs Ruhrgebiet. Seitdem bin ich dabei. Als 15jährige hatte ich ein bewegendes Foto gesehen: Den über 80jährigen Nobel- und Friedenspreisträger Lord Bertrand Russell, wie er an einen gewaltfreien Sitzstreik vor dem britischen Atomforschungszentrum Aldermaston teilnahm und die Polizei ihn wegtrug. Bertrand Russell wurde ein wichtiges Idol. Der Ostermarsch war für meine Generation die gesuchte gewaltfreie Demonstration für Frieden und Abrüstung und gegen die unvorstellbare atomare Bedrohung. Gewaltfreiheit war die wichtigste Maxime, zu früh waren wir mit den nicht endenden Berichten über die Gewalt des 2. Weltkrieges, 50 Millionen Tote, Auschwitz, Hiroshima und Nagasaki konfrontiert worden. Der Ostermarsch wurde auch die erste soziale Bewegung nach dem Krieg, bei der andere Aktionsformen und Lieder entstanden. Im Laufe der Jahre variierten die Themen der Ostermärsche. Die atomare Gefahr war grundsätzlich ein Thema, weiter grausame Kriege wie der Vietnamkrieg, die Kriege in Mittelamerika, die im ehemaligen Jugoslawien, die neuen Kriege im Kontext der Globalisierung in Nahost, im Irak, in Afghanistan.

Noch vor gar nicht langer Zeit konnte ich mir nicht vorstellen, auf einem Ostermarsch gegen die Beteiligung deutscher Soldaten an aktuellen Kriegen sprechen zu müssen.

 

2. Jahrestag: 60 Jahre Israel und die Nakba (Katastrophe)

Vor 60 Jahren wurde der Staat Israel gegründet. Zu diesem Zeitpunkt begann gleichzeitig die Nakba, die Flucht und Vertreibung von zwei Dritteln der palästinensischen Bevölkerung. Die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Nahost Region sind bis heute weiter gegangen. Der Höhepunkte zurzeit ist die unvorstellbare Lage der Bevölkerung im Gazastreifen.

Während des 3tägigen Besuchs von Frau Merkel und 8 MinisterInnen in der letzten Woche in Israel war es auf einer vorgeblichen Friedensmission nicht möglich, sich zumindest für einen Tag auch mit PalästinenserInnen zu treffen. Große bilaterale Projekte ausschließlich zwischen Israel und Deutschland wurden beschlossen.

 

3. Jahrestag. 40 Jahre Attentat auf Rudi Dutschke

Am Gründonnerstag 1968 wurde Rudi Dutschke mit drei Schüssen schwer verletzt.

Die Osterunruhen und eine gewaltige Protestwelle der 68er veränderten das Land.


4. Jahrestag: Fünf Jahre Krieg gegen den Irak

Diesen Krieg konnten wir trotz der größten Friedensdemonstration aller Zeiten am 15. Februar 2003, an der weltweit 15 – 20 Millionen Menschen auf die Straße gingen, nicht verhindern.

Die Bilanz nach 5 Jahren:

Mehr als eine Million Menschen getötet, vier Millionen IrakerInnen auf der Flucht, etwa 2 Millionen im eigenen Land, zwei Millionen sind in den Libanon, nach Syrien und Jordanien geflohen. Unzählige Menschen, vor allem Kinder, leiden an den Folgen des Einsatzes von abgereichertem Uran, vier von Zehn IrakerInnen leben von weniger als einem Dollar am Tag, die einstmals vorbildlichen Bildungs- und Gesundheitssysteme stehen vor dem Kollaps, Gewalt gegen Frauen und Mädchen nimmt zu, die Lebensmittel- und Wasserversorgung verschlechtert sich von Tag zu Tag. Die Berichte von Amnesty international und dem Roten Kreuz zum fünften Jahrestag des Kriegsbeginns widersprechen vehement den Nachrichten der letzten Tage aus den USA, in denen eine Verbesserung gemeldet wird. Amnestys und Rote Kreuz Bericht sind eine einzige Anklageschrift gegen den Krieg, im Irak herrschen „Gemetzel und Verzweiflung“.

 

Wir befinden uns in der Spirale der

so genannten „Kriege gegen den Terrorismus“,

die in Wahrheit gnadenlose Kriege um Ressourcen sind.

„Vergessen Sie einmal die Rhetorik und überlegen Sie, daß die Welt bisher keine vernünftige Definition von ‚Terrorismus‘ kennt, “ sagt Arundhati Roy

Es gibt verschiedene Formen des Terrorismus.

Staatlicher Terrorismus.

Zur Sicherung der für das eigene Land und den eigenen Wohlstand notwendigen Ressourcen Kriege überall in der Welt zu führen.

Donald Rumsfeld sagte nach dem 11. 9.:

Wir müssen den uns aufgezwungenen Krieg gewinnen, in dem wir die Terrornetzwerke vernichten, die unser Volk bedrohen.

Und uns auf den nächsten Krieg vorbereiten. Dies erfordert eine Umwandlung unserer Streitkräfte, die es uns ermöglicht, unsere Heimat zu verteidigen und gleichzeitig Einsätze in jedem Winkel der Erde durchzuführen, oft auch in feindlichen Umgebungen.“

In diese Maxime ist auch die Bundeswehr inzwischen weltweit beteiligt.

 

Die neuen Kriege schaffen neue Bedingungen:

„Die Ansprüche an Kriege sind gesunken. Verbrecher Fahndung darf jetzt mit Streubomben oder mit durch Uran abgereicherten Waffen betrieben.... Länder zerstört,....ein Massenmord an Zivilisten begangen werden, auch wenn am Ende kein einziger Verdächtiger gefasst ist, keine Massenvernichtungswaffen gefunden wurden....die Zahl der Kriegstoten verschwiegen werden.

Es findet ein Privatisierung des Krieges statt, immer mehr private Firmen sind mit teuer bezahlten Söldnern dabei.

Es ist auch kaum eine konformere kriegsbegleitende Publizistik denkbar wie der eingebettete Journalismus, Kein einziger politischer oder humanitärer Einwand hatte auch nur den geringsten Einfluss auf die Kriege im Irak und Afghanistan, den keine Diktatur hätte reibungsloser durchführen können.“

Roger Willemsen, Kriegstagebuch in: Terrorismus, Öl und die geheime Außenpolitik der USA – oder Der 11. September und die Hintergründe des Krieges gegen den Terrorismus

 

Widerstand

Daneben werden aber auch alle Freiheitsbewegungen durch die westlichen Länder heute mit dem Etikett „terroristisch“ sowie der Widerstand gegen den Wahnsinn der Kriegsmaschinerie mit dem Etikett „Terrorismus“ belegt.

Ausnahme ist der Aufstand in Tibet gegen die Unterdrückung durch China. Hier habe ich bislang nicht einmal das Wort terroristisch gelesen.

 

Die innenpolitischen Veränderungen in den westlichen Ländern sind seit dem 11. September2001 enorm. Eine systematische Beschneidung von Grundrechten, Überwachungen, Aufrüstung der Polizei und des Militärs durch so genannte „Sanfte Waffen“, Pläne zum Einsatz des Militärs im Inneren gegen Demonstrationen wie beim G 8 Gipfel in Heiligendamm schreiten voran. Die Friedens- und Antiglobalisierungsbewegungen werden beschuldigt, Feinde der »westlichen Zivilisation« zu sein.

Sechzig, vierzig, zwanzig Jahre früher wären Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Nelson Mandela mit dem Etikett „Terrorist“ gebrandmarkt worden.

 

5. Jahrestag: 30 Jahre Krieg gegen Afghanistan

Vor 360 Jahren endete der 30jährige Krieg. Es war der längste Krieg in Europa seit Menschengedenken, der mit dem Vertragsabschluß des Westfälischen Friedens 1648 in Münster und Osnabrück beendet wurde. Die Erinnerung daran ist bis heute lebendig. 30 Jahre Krieg!

In diesem Jahr ist Afghanistan das Land, in dem seit 30 Jahren Krieg herrscht.

Was heißt Krieg in Afghanistan?

 

Kabul

„Die Stadt im Staub, behaucht von feinem Sand, benebelt vom Smog, durchwabert von Abgasschwaden, geschunden, aus allen Nähten platzend. Diese für nicht mal eine Million EinwohnerInnen konzipierte Stadt beherbergt heute gut 4 Millionen, sie hat keine Kanalisation, sondern nur zugemüllte Abwassergräben, die im Sommer stinken, ein festes Stromnetz nur in einem Viertel der Stadt, sonst Elektrizität aus Generatoren, die wie der Fernsehempfang, dauernd zusammenbricht. Bedroht von Cholera und Erdbeben, von Selbstmordattentaten, Überfällen, Feindesbeschuss, Taliban-Angriffen und wieder aufflammende Kontroversen zwischen Banden und ethnischen Gruppen. …

 

Kunduz

Wenn Orte geronnene Erfahrung sind, wenn sie sich zusammensetzen aus allem, was je in ihnen gefühlt wurde, dann ist diese Angst eine Art Offenbarung. Kunduz gibt sich zu erkennen. In das Weichbild der Stadt haben sich Bombenabwürfe und Raketenbeschuss, Vergewaltigungen, Folter und Morde eingedrückt. Heckenschützen haben gelauert, Späher haben Häuser auf der Suche nach Versteckten durchsucht, Marodierende haben zerstört, Soldatentrupps haben Bauwerke gestürmt und verwüstet, Frauen haben geschrieen, Kinder das  Weite gesucht. Jede denkbare Konstellation kann sich wiederholen. Es ist alles noch zu frisch. Die Gewalt ist nicht Vergangenheit, ist nicht archaisch, nicht Kultus. Sie ist nur für ein paar Tage nicht hier her gekommen, und wir reden schon vom Frieden.“ Roger Willemsen, a.a.O., S. 116 f.

 

Die Bevölkerung

„Ich sehe zu, wie Menschen aus einer Heimat kommen, die nie eine gewesen ist, und in eine Heimat zurückkehren, die nie eine werden wird. Frauen, Kinder, Männer, die nichts kennen, als immerzu auf der Flucht zu sein. Menschen, die ihre Töchter und Söhne begraben haben, ihre Mütter, Männer, Frauen, Brüder, Schwestern. Menschen, die keine Häuser haben, keinen Platz zum Sitzen, zum Essen, zum Schlafen. Kleine Mädchen und Jungen, die nur noch einen Arm haben, ein Bein, überhaupt keine Arme und Beine. Menschen, die dünn und klapprig sind, krank, unterernährt, nur noch Haut und Knochen. Männer, die andere Männer getötet haben, selber dem Tod ins Auge gesehen haben. Frauen, die lieber tot sein möchten, als noch einmal den Tod eines ihrer Kinder sehen zu müssen.“

Siba Shakib, Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen, 2001, S. 13

 

Hintergrund und Auswirkungen des Krieges

Die Kriegführenden der letzten 30 Jahre in Afghanistan waren unterschiedlich. Die Sowjetunion, die USA, Großbritannien, die „Koalition der Willigen“, dazwischen fundamentalistische Islamisten und Gruppen wie die Taliban. Alle versuchten, diesem Land ihr politisches System aufzudrücken.

 

Von den geschätzten 16 Millionen Afghanen Ende der siebziger Jahre starben etwa zwei Millionen Menschen im Kampf gegen die sowjetischen Besatzer, im Bürgerkrieg sowie durch indirekte Kriegesfolgen wie mangelnde Ernährung und medizinische Versorgung, Landminen. Unzählige Menschen sind durch die Folgen des Gebrauchs von abgereichertem Uran unvorstellbar grausam verletzt. Fünf Millionen Menschen flohen in die Flüchtlingslager in den Iran und nach Pakistan.

 

1980 begann die Invasion der Sowjets in Afghanistan. Die Sowjets wollten das prokommunistische Regime Karmal stützen. Strategisches und Interesse im Rahmen des Ost-West Konfliktes und an den Ressourcen spielten aber auch hier eine Rolle.

Die USA wollten den Einfluß der Sowjets stoppen. Bereits ein Jahr vor der Invasion, also 1979, begannen die USA mit der größten Geheimoparation in der Geschichte der CIA. (Siehe Interview mit Brzesinski in: Michel Chossudowski, Global-Brutal, Ffm. 2002, S. 359 f.)

Die Koranschulen und die Ausbildung von radikalen Muslimen in Pakistan wurden durch Saudi Arabien und die USA finanziert. Ein afghanischer Dschihad sollte in einen weltweiten Krieg der muslimischen Staaten gegen die Sowjetunion führen. Präsident Reagan erhöhte die Militärhilfe der USA an die Mudschaheddin auf 65.000 Tonnen an Waffen. Die Planung und Operationen der afghanischen Rebellen, aber auch die von Bin Laden wurde durch Spezialisten der CIA, des Pentagon und des pakistanischen Geheimdienstes entwickelt.

 

Welche sind die ökonomischen Interessen an der Region?

Öl und Gas sind die Schlüssel Ressourcen der auf Öl und Gas basierenden Ökonomie der Industrieländer. Die Bevölkerung der USA macht ca. 5% der Weltbevölkerung aus, sie verbrauchen mehr als ¼ der weltweiten Ölförderung. Das ist die gleiche Menge wie drei Milliarden Menschen in Asien und dem gesamten Pazifikraum verbrauchen. Die expandierenden Wirtschaften China, Indien und Pakistan allerdings holen auf. Für sie ist der Zugang zu Öl und Gas aus den mittelasiatischen Staaten notwendig. Um die asiatischen Länder zu versorgen, kommen nur zwei Routen in Frage, durch Afghanistan oder den Iran. Gegen den Iran aber bestehen US-Sanktionen, die es US-Firmen wie UNOCAL verbieten in iranische Projekte zu investieren, eine afghanische Pipeline, somit „die einzig mögliche Route“ darstellt.

 

Das ist der Hintergrund für den Krieg in Afghanistan. Für mich ist das eine Instrumentalisierung der Terroranschläge des 11. September, um auf perfide Art und Weise ihre Interessen in der Region durchsetzen zu können.“

 

Der Heroinhandel

Ein anderes ökonomisches Interesse an der Region, das eine erhebliche Rolle spielt, ist der Heroinhandel. In Afghanistan begann seit Mitte der 80er Jahre im Zusammenhang mit den durchgeführten CIA-Operationen der größte Heroinanbau der Welt. Die durch die USA unterstützten Mudschaheddin forderten von den Bauern den Anbau von Heroin als Revolutionssteuer. Nach dem Verlassen Afghanistan durch die Sowjets wurde in Afghanistan 75% des weltweit konsumierten Heroins produziert. Der gesamte Drogenhandel weltweit hat laut eines UNO Berichtes einen Umsatz von etwa 500 Milliarden Dollar pro Jahr. „Der internationale Drogenhandel stellt ein milliardenschweres Geschäft dar, der vom Umfang her mit dem internationalen Ölhandel vergleichbar ist.“ Vergleiche: Michel Chossudowsky, S. 364 f.

 

Die Frauen

Als die islamischen Fundamentalisten die Macht übernahmen, wurden die Frauenrechte auf volle Beteiligung am sozialen, ökonomischen, kulturellen und politischen Leben des Landes drastisch gekürzt, mit der Machtübernahme durch die Taliban nahezu vollständig ausgelöscht. Das Taliban-Regime erhielt schnellstens eine Spitzenposition unter den frauenfeindlichsten Regimes der Welt. So waren Frauen gezwungen, die Burka zu tragen, dieses Ganzkörpergewand, in dem nur für die Augen ein Gitter geöffnet ist.

 

Den Frauen wurde das Recht auf Bildung versagt, die Mädchenschulen geschlossen. Wenige mutige Frauen, Lehrerinnen unterrichteten Mädchen heimlich in versteckten Räumen. Frauen wurden aus dem Berufsleben ausgeschlossen. Das Recht auf Reisen wurde den Frauen verwehrt. Keine Frau durfte ohne die Begleitung eines männlichen Angehörigen das Haus verlassen. Das Recht auf Rechtsbeistand war verwehrt. Frauen konnten keinen direkten Antrag an ein Gericht stellen, nur durch einen nahen männlichen Angehörigen. Die Aussage einer Frau galt nur die Hälfte des Zeugnisses eines Mannes. Das Recht auf Gesundheit wurde verwehrt. Frauen durften sich nicht von männlichen Ärzten behandeln lassen, Familienplanung war verboten. Ehebruch wurde mit Steinigung bestraft. Die Alphabetisierungsrate bei den Frauen betrug 5 %, die der Männer um 20 %.

 

Jahrelang hat die internationale Frauenbewegung versucht, diese Formen der Unterdrückung bekannt zu machen und als Grund für Asylgewährung von Frauen aus diesem Land durchzusetzen. Keines der Länder, die Afghanistan mit Krieg überziehen, ist auf die Forderung der Frauenbewegung nach Asylgewährung eingegangen. Umso wütender waren wir zu Beginn des Krieges gegen Afghanistan nach dem 11. September, daß nunmehr „Frauenbefreiung“  als einer der Hauptgründe für die Bombardierungen herhalten musste. Mit einem Mal hatten wir Verbündete: Frau Bush und Frau Blair zusammen mit den Marines an der Spitze des Kampfes um Frauenbefreiung.

Leider ist das Gegenteil von Frauenbefreiung der Fall. Der Krieg in Afghanistan hat die Taliban entfernt, nicht besiegt. Der islamische Fundamentalismus ist erneut auf dem Vormarsch. Das Ausmaß an täglicher Gewalt in Afghanistan ist etwas was man sich kaum vorzustellen kann. Die Frauengefängnisse sind voll.

In diesem Krieg geschieht also das, was wir aus vielen Kriegen kennen: Frauen werden instrumentalisiert. Kriege sind durch und durch patriarchalisch.

„Die neoliberale Globalisierung, die Freiheit, Demokratie und Gleichheit bringen soll, führt überall auf der Welt zu einem Neopatriarchat.“ Maria Mies, a.a.O., S. 103 

 

Wer verdient an diesem Krieg?

Die USA und die NATO-Verbündeten verfügen über 2/3 des weltweiten Militärbudgets. 8 von 10 Ländern mit dem größten nationalen Militär-Budgets sind NATO-Länder. Rußland und China zusammen verfügen heute über 15% des weltweiten Militärbudgets. Die von den USA so genannten „Schurkenstaaten“ verfügen zusammen über 2% der weltweiten Militärausgaben.

Kriege im Irak und Afghanistan kosten 1,6 Billionen Dollar

Die Kriege im Irak und in Afghanistan kosten die USA einem Bericht des US-Kongresses zufolge fast doppelt so viel wie bislang von der Regierung dafür veranschlagt. Von 2002 bis 2008 werden sich die Kosten auf 1,6 Billionen Dollar (1,1 Billionen Euro) belaufen, heißt es in einem Bericht des Wirtschaftsausschusses.

1 Billion ist eine Zahl mit 12 Nullen, Oder: 1.000 Milliarden sind eine Billion.

Erstmals wurden auch versteckte ökonomische Kosten wie steigende Zinszahlungen, ausbleibende Investitionen, steigende Ölpreise und höhere Folgekosten für die medizinische Versorgung von Veteranen berücksichtigt.

Für den zivilen Wiederaufbau stehen nur Bruchteile der Gelder zur Verfügung, die für das Militär ausgegeben werden. Wiederaufbau unter den Bedingungen der Militärbesatzung ist eindeutig die Fortsetzung des Krieges  mit anderen Mitteln, „mit Mitteln des neoliberalen globalen Kapitalismus, der die durch die Kriege der Industrieländer zerstörten Ländern diese zu Bettler-Ländern, Billiglohnländern und zu Neo Kolonien macht.“ Maria Mies, a.a.O.

 

Der Militäreinsatz der Bundeswehr

Der Einsatz der Bundeswehr ist verlängert worden. Er besteht aus drei Mandaten: Die Operation Enduring Freedom (OEF), die Internationale Schutztruppe (ISAF) und den im März dieses Jahres beschlossene Tornadoeinsatz der Luftwaffe.
 Im Unterschied zu Peter Struck sind wir nicht der Meinung, daß unsere Freiheit am Hindukush verteidigt wird. Auch nicht, daß unser Engagement in Afghanistan notwendig und richtig ist.

Im Gegenteil:  „Es gibt keine Gründe, für deutsche Soldaten in Afghanistan. Die deutsche Beteiligung am Antiterrorkrieg hat den Terror eher gefördert als eingedämmt. Auch das Nato-Projekt Nation Building ist dort in eine Sackgasse geraten. Die Protektoratsstrukturen führen unweigerlich zu Korruption. Man muss Priorität auf zivilen und wirtschaftlichen Aufbau legen, deshalb fordern wir den> unverzüglichen militärischen Rückzug deutscher Soldaten in Afghanistan.“ Paul Schäfer

 

Stern-Umfrage vom 26.7.2007: Sollen die Deutschen gehen oder bleiben?

Mohammed Daoud hat einen Laden an der Markthalle in Kunduz, nur drei Meter von jener Stelle entfernt, an der im Mai ein Sprengsatz drei deutsche Soldaten und fünf afghanische Zivilisten tötete.

„Deutsche? Erwähne ihren Namen nicht. Ich hasse sie. Die fahren hier in der Stadt herum, aber wir wissen gar nicht, was sie eigentlich machen. Die haben unser Land besetzt. Ihretwegen ereignete sich der Anschlag, und unsere muslimischen Brüder starben. Ich habe alle meine Waren verloren und wurde am Auge verletz.  Wenn die Deutschen nicht hier wären, würden die Taliban niemals Zivilisten angreifen. Jedes Mal, wenn ich einen Deutschen sehe, habe ich Angst vor einem Anschlag.“

 

AZADINE

"Meine afghanische Freundin Azadine ist Ärztin. Sie macht es wie der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie kämpft für Frieden. Der Präsident kämpft mit Bomben. Azadine mit Zetteln. Azadine zeigt ihre Zettel westlichen Politikern und Exilafghanen. Wieder und wieder. Stundenlang.

Seit über zwei Jahrzehnten, macht sie immer wieder das Gleiche. Sie spricht und kämpft und kämpft und spricht. Über die Lage in ihrer Heimat. Sie tauscht Ideen aus. Diskutiert. Streitet. Es geht um die Zukunft in ihrer Heimat. Um die Zukunft ihrer Kinder. Um ihre eigene Zukunft. Seit über zwei Jahrzehnten. Immer wieder. Zukunft. Ob in den Dörfern, Städten oder in den Zelten der Nomadinnen - die Frauen wollen Frieden.

Bomben sind Bomben, sagen Azadine und ihre Freundinnen. In wessen Namen sie geworfen werden, macht für uns keinen Unterschied. Alles, was wir wissen, ist, dass Bomben töten. Statt Bomben zu werfen, Krieg zu führen und ihre Söldner nach Afghanistan zu bringen, soll die Welt uns endlich helfen, unser Land wieder aufzubauen. Schließlich sind die über zwei Jahrzehnte andauernden Kriege nicht die der Afghanen. Nachdem die Sowjetunion und die USA abgezogen sind, haben Pakistan, Iran, Saudi-Arabien  und wer weiß, wer sonst noch, und allen voran die USA ihren Krieg gegen Afghanistan fortgesetzt. Anders. Aber sie haben ihn fortgesetzt. Sie haben ihre Minen und ihre Waffen zusammen mit ihren Agenten und Spitzeln, zusammen mit ihren Söldnern und Marionetten in Afghanistan gelassen und haben sie angestachelt. Zum Brudermord.

Das letzte Mal hatte Azadine  Namen von Vergewaltigern dabei. Dieses Mal stehen Namen von Toten auf ihren Zetteln, Namen von Kindern, Frauen und Männern. Getötet von Bomben der USA und ihrer Verbündeten. Es gibt immer mindestens einen anderen Weg als Krieg, sagen sie. Das Mindeste, was der Westen und die UN hätten tun müssen, bevor sie ihre Bomben auf Afghanistan abwerfen, wäre die Einrichtung von Schutzzonen für die zivile Bevölkerung gewesen. ...

 

Für die Frauen in Afghanistan bedeutet Frieden, dass die Länder die ihnen seit 29 Jahren nichts als Krieg, Minen und Tote, Hunger, Krankheiten und Vergewaltigungen gebracht haben, ihre Minen, Waffen und Soldaten nehmen, das afghanische Volk um Vergebung bitten und gehen. GEHEN!"

Siba Shakib in Bomben sind Bomben - TAZ 24.12.2001, S. XIII

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Ellen Diederich, Internationales Frauenfriedensarchiv Fasia Jansen e.V.

http://www.frauennews.de/themen/weltweit/frieden/iffa.htm